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Die 20./21. Woche im STAATSTHEATER DARMSTADT

Veröffentlicht von Susannah V. Vergau am 20. Mai 2010. unter Alle Artikel, Ballett, Bühne, Konzerte, Musikevents, Oper, Staatstheater Darmstadt, Theater  Tags: Spielplan, Staatstheater Darmstadt, Vorschau  

staatstheater darmstadt small

Freitag, 21. Mai 2010

Gaetano Donizetti
Maria Stuarda
Oper in zwei Akten von Gaetano Donizetti | in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Großes Haus | 19.30 Uhr

Musikalische Leitung Martin Lukas Meister | Inszenierung Alfonso Romero Mora | Bühne Dirk Hofacker | Kostüme Gabriela Salaverri | Choreinstudierung André Weiss

Mit Katrin Gerstenberger, Margaret Rose Koenn, Adréana Kraschewski, Stephanie Theiß | John In Eichen, Oleksandr Prytolyuk

Elisabeth I., Königin von England, und Maria Stuart, Königin von Schottland, sind Rivalinnen, nicht nur um den Thron, sondern auch in der Liebe. Beide lieben den Grafen Leicester. Elisabeth hält ihre Kontrahentin Maria schon seit Jahren gefangen, kann sich jedoch nicht zu einer endgültigen Entscheidung über ihr Schicksal durchringen. Durch Vermittlung Leicesters kommt es zu einer direkten Begegnung der beiden Rivalinnen, die in eine offene Konfrontation ausartet: Elisabeth bezichtigt Maria des Ehebruchs und des Verrats, Maria nennt Elisabeth einen Bastard.
Maria Stuarda (1834) gehört ebenso wie Anna Bolena (1830) und Roberto Devereux (1837) zur Königinnen-Trilogie Donizettis. Schillers Trauerspiel Maria Stuart bildete die Vorlage. Donizetti geht es in seiner Fassung jedoch weniger um die Staatsintrige. Er konzentriert sich vielmehr auf die beiden außergewöhnlichen Charaktere. Mit der eskalierenden Begegnung und Konfrontation der beiden Königinnen gelingt Donizetti dabei eine der eindrucksvollsten musikalischen Szenen seines Schaffens.

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Freitag, 21. Mai 2010

Ben Jonson | William Shakespeare
Volpone | Timon von Athen
Elisabethanische Variationen über das Gold

Inszenierung Michael Helle | Bühne und Kostüme Achim Römer

Mit Anne Hoffmann, Maika Troscheit | Thomas Cermak, Andreas Manz, Tilman Meyn, Hubert Schlemmer, István Vincze, Tom Wild, Uwe Zerwer, Klaus Ziemann

Zwei Stücke hintereinander an einem Abend: Die beiden Werke der Zeitgenossen Jonson und Shakespeare, thematisch verbunden zu zwei Seiten einer Medaille!
Volpone
Kleines Haus | 19.30 Uhr
Der knausrige Venezianer Volpone nutzt die Habsucht seiner Mitmenschen aus, um sich selbst zu bereichern. Sein pfiffiger Diener Mosca ist ihm dabei behilflich, und eine Weile stehen die Aktien ja auch noch gut…! Jonson schrieb eine rasante Typenkomödie, die Stefan Zweig am Vorabend der Weltwirtschaftskrise 1929 in einer eigenen Fassung ins Deutsche übertrug.
Timon von Athen
Bühne Kleines Haus | etwa 22 Uhr (Restkarten)
Der reiche Athener Timon steht bei seinen Mitmenschen hoch im Kurs, denn er gibt sich stets hilfsbereit und spendabel – bis er mit leeren Taschen und ohne Freunde da steht… Shakespeares Sprachgewalt in einem eindringlichen Werk, über einen, der in der Abkehr vom Geld zum Menschenfeind wird.

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Freitag, 21. Mai 2010

Ingrid Lausund
Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner
Komödie
Kammerspiele | 20 Uhr (ausverkauft)
Regie Jens Poth | Bühne und Kostüme Jens Poth, Romy Schmidt

Mit Gabriele Drechsel, Margit Schulte-Tigges, Diana Wolf | Heinz Kloss, Stefan Schuster

Das Ziel: Eine Schule für Guinea Bissau! Aber wenn fünf Schauspieler für eine anstehende Benefizveranstaltung proben, prallen nicht nur fünf völlig unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander, sondern auch die Stereotypen. Spätestens nach der Frage, wie „schwarz“ denn „schwarz genug“ ist, um „afrikanisch“ auszusehen, entspinnt sich zwischen Gutgemeintem und Schlechtgeprobtem ein absurder Eiertanz um die so genannte political correctness.
Vergnüglich, polemisch, scharfsinnig: Der Humor von Ingrid Lausund ist herrlich demaskierend. Intelligent fragt die in der zeitgenössischen Independent- und Improvisationstheaterszene hoch geschätzte Dramatikerin und Regisseurin nach der Wahrhaftigkeit solcher Spendenveranstaltungen und stellt dabei die eigenen eingefahrenen Denkweisen bloß.

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Samstag, 22. Mai 2010

Richard Strauss
Der Rosenkavalier
Komödie für Musik
Großes Haus | 19 Uhr

Musikalische Leitung Constantin Trinks | Inszenierung Peter Lund | Bühne und Kostüme Claudia Doderer |
Choreinstudierung André Weiss

Mit Aki Hashimoto, Elisabeth Hornung, Margaret Rose Koenn, Yamina Maamar, Carine Séchaye, Susanne Serfling | Markus Durst, Sven Ehrke, John In Eichen, Lucian Krasznec, Werner Volker Meyer, Albert Pesendorfer

Dies ist ein heiteres und zugleich schwermütiges Stück Abschied: Abschied vorausahnend von einer ganzen Epoche – der nachfolgende 1. Weltkrieg zerstörte sie; Abschied von Wien, wie es der Dichter Hofmannsthal erfunden und zugleich beglaubigt hat, und worüber er Strauss schrieb: „Hier ist das theresianische Wien – eine wirkliche, darum glaubhafte ganze Stadtwelt mit hundert lebendigen Bezügen in sich: vom Faninal zum Ochs, vom Polizeikommissar und Wirt hinauf zur großen Dame, vom Palast durch die Lakaienwelt zum Bauernhof usw.“; Abschied der Feldmarschallin Fürstin Werdenberg von ihrem Geliebten Octavian, dem Grafen Rofrano; Abschied auch des jungen Grafen vom sorglosen Müßiggang. Dazwischen poltert der Vetter vom Land, Ochs von Lerchenau, girrt die Intrigantin Annina, improvisieren die Komödianten im Wirtshaus ihre satirischen Pointen, trippelt der kleine Mohr und tönt und perlt der Walzer, der jedem nachhängt, der ihn je gehört hat. Einmal erschrickt die Marschallin: Kehrt der Feldmarschall heim aus dem Krieg? Ihr ist, als höre sie den Gewalt habenden Fürsten der Schatten am Tor. Sie weiß: Die Zeit ist unaufhaltsam. Und doch geht sie manchmal durch die Räume des Palais und lässt die Uhren alle stehn. Am Ende bleibt das Publikum mit dem jungen Paar Sophie und Octavian allein: Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein … Aber den Traum müssen bei Tag alle überführen in die Wirklichkeit eines neuen Anfangs.

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Samstag, 22. Mai 2010

Carlo Goldoni
Der Impresario von Smyrna
Komödie
Kleines Haus | 19.30 Uhr

Inszenierung Peter Hailer | Bühne und Kostüme Martin Fischer

Mit Karin Klein, Christina Kühnreich, Iris Melamed | Hans Matthias Fuchs, Heinz Kloss, Tilman Meyn, Hubert Schlemmer, Harald Schneider, Tom Wild, Gerd K. Wölfle

Ein mittelloses Starensemble probt an seinem Durchbruch. Was den Venezianern noch fehlt, ist ein Sponsor. Der Zufall will es, dass ein neureicher Impresario aus dem fernen Orient gerade eine neue Oper in Smyrna gründen will und Darsteller sucht. Doch Bescheidenheit, Demut und Gerechtigkeit ist die Sache der Komödianten nicht. Eifersucht, Eitelkeit und andere Unzulänglichkeiten sorgen für eine explosive Mischung aus Liebe, Intrige und die Offenbarung nicht immer schöner Wahrheiten. Ein Stück über Menschen am Theater zwar, jedoch wird in deren Schrullen, Schwächen und liebenswerten Boshaftigkeiten jeder ein wenig von sich selbst wiedererkennen. Soll das Theater nicht der Spiegel der Welt sein?
Carlo Goldoni (1707-1793) gilt als Großmeister der italienischen Komödie.

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Samstag, 22. Mai 2010

Jaan Tätte
Bungee Jumping oder Die Geschichte vom Goldenen Fisch
Schauspiel
Kammerspiele | 20 Uhr

Inszenierung Romy Schmidt | Bühne und Kostüme Mechthild Seidemann

Mit Anne Hoffmann, Maika Troscheit | Matthias Kleinert, István Vincze

Laura und Roland verirren sich auf dem Weg zu einer Party im Wald und stoßen auf den kauzigen Osvald. Der vereinsamte Angler macht dem Paar ein so makaberes wie fatales Angebot: eine Milliarde Dollar für Lauras Liebe!
Geld oder Liebe? Abgründe öffnen sich, Undenkbares wird plötzlich denkbar, die Versuchung erfasst im Wechsel alle Beteiligten. Und immer wieder wird die sittliche Haltung des Individuums auf eine harte Probe gestellt. Lässt sich etwas Unverkäufliches veräußern – und wenn ja, zu welchem Preis?
Mit dem mehrfach preisgekrönten Stück Bungee Jumping hatte der estnische Autor Jaan Tätte (geboren 1964) seinen internationalen Durchbruch. Im Kleinen Haus war von ihm bereits Elchtest zu sehen.

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Samstag, 22. Mai 2010

BarFestspiele
Das kunstseidene Mädchen
Nach einem Roman von Irmgard Keun
Bar der Kammerspiele | 22 Uhr (ausverkauft)

Leitung Romy Schmidt | Musik Michael Erhard

Mit Diana Wolf
Sekretärin Doris hat die Nase voll von ihrem zudringlichen Chef und dem Leben mit der Schreibmaschine. Sie will ein Star werden, will nach Berlin. Dort stürzt sie sich in das pulsierende Leben der Tanzhallen, Bars und Literatencafés. Ihre Affären mit Männern aus besseren Kreisen sind kurzlebig, die erträumte Filmkarriere bleibt Illusion. Doch Doris weiß sich zu trösten…
Irmgard Keun hatte mit ihrem Roman Das kunstseidene Mädchen 1932 großen Erfolg – ihr gelang das zeitgenössische Bild der modernen Frau, selbstbewusst und frech, das von dem heutiger junger Soap-Protagonistinnen nicht weit entfernt ist.

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Sonntag, 23. Mai 2010

Giuseppe Verdi
Aida
Oper in vier Akten | in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Großes Haus | 18 Uhr

Musikalische Leitung Constantin Trinks | Spielleitung Alfonso Romero Mora | Nach einer Inszenierung von
Michael Heinicke | Bühne und Kostüme Peter Sykora | Choreinstudierung André Weiss

Mit Yanyu Guo, Margaret Rose Koenn, Yamina Maamar | Andreas Daum, Sven Ehrke, Bastiaan Everink, John In Eichen, Thomas Mehnert, Zurab Zurabishvili, Oliver Zwarg

Im schon lange währenden Krieg zwischen Ägypten und Äthiopien wird der junge Feldherr Radames zum Heerführer der Ägypter ernannt. Im Falle des Sieges winken ihm nicht nur Ruhm und Thronfolge, sondern auch die Hand der Königstochter Amneris. Radames hingegen liebt die Sklavin Aida, die noch dazu die Tochter des äthiopischen Königs Amonasro ist. Angetrieben von ihrem Vater, verleitet sie Radames dazu, den geheimen Aufmarschplan der Ägypter preiszugeben. Er wird für diesen Hochverrat zum Tode verurteilt und bei lebendigem Leibe eingemauert. Erst nachdem sein Verlies sich geschlossen hat, bemerkt er Aida, die sich heimlich in das nämliche Gewölbe geschlichen hat, um wenigstens im Tode mit dem Geliebten vereint zu sein.
Giuseppe Verdi schrieb mit Aida seine wohl populärste Oper. Monumentale Chorszenen – beispielsweise der berühmte Triumphmarsch – prägen den Charakter dieser Oper ebenso wie die anrührenden Szenen einer gleichermaßen dramatischen wie intimen Liebestragödie.

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Sonntag, 23. Mai 2010

Carl Zuckmayer
Der Hauptmann von Köpenick
Ein deutsches Märchen
Kleines Haus | 18 Uhr

Inszenierung Malte Kreutzfeltd | Bühne und Kostüme Nikolaus Porz

Mit Sonja Mustoff, Maika Troscheit | Hans Matthias Fuchs, Matthias Kleinert, Andreas Manz, Tilman Meyn, Hubert Schlemmer, Stefan Schuster, Aart Veder, Gerd K. Wölfle, Uwe Zerwer, Klaus Ziemann

Der Schuster Wilhelm Voigt möchte einen Pass beantragen – und scheitert im Kampf gegen die Mühlen der Bürokratie: Ohne Arbeit keine Aufenthaltsgenehmigung. Ohne Aufenthaltsgenehmigung kein Pass. Ohne Pass keine Arbeit, keine Ausreise, kein menschenwürdiges Leben. Eine ausrangierte Hauptmannsuniform und eine pfiffige Idee helfen ihm jedoch, die Ordnungstreuen und Autoritätshörigen mit ihren eigenen Waffen zu schlagen…
Mit dieser „besten Komödie der Weltliteratur“ (Thomas Mann) schuf Zuckmayer zugleich ein kritisches Zeitstück, bei dem die liebenswert-tragische Figur des Wilhelm Voigt zum Sinnbild des kleinen Mannes wurde. Sein Kampf gegen die Ungerechtigkeiten der (Arbeits-)Welt hat vor dem Hintergrund heutiger Begriffe wie Mindestlohn, Kurzarbeit und 400-Euro-Jobs nichts an Brisanz verloren.

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Sonntag, 23. Mai 2010

BarFestspiele
Welche Droge passt zu mir?
Monolog von Kai Hansel
Bar der Kammerspiele | 20 Uhr

Inszenierung Martin Ratzinger

Mit Christina Kühnreich

„Hören Sie auf, jede Nacht Möbel zu verrücken. Damit stiften Sie Verwirrung, bei Ihrem Mann, Ihrem Kind und allen Menschen, die Sie lieben.“ Hanna, Hausfrau und Mutter, hat einen viel besseren Weg aus dem Alltagfrust gefunden. Es bedarf nur der passenden Droge zur passenden Gelegenheit und jede Frau kann den Anfechtungen des Lebens elegant und souverän gegenübertreten. Drogen machen angstfrei und schlank, mutig und stark, es gilt nur, ein paar Regeln zu beachten. Mit missionarischem Sendungsbewusstsein und der ideologischen Schützenhilfe des Philosophen Seneca gibt Hanna die im Selbstversuch gemachten Erfahrungen an ihr Auditorium weiter. Zwischen Größenwahn und Schweißausbruch, Tagtraum und Atemlähmung unternimmt Hanna eine Reise an die Pforten des Paradieses. In dem Monolog des 1965 geborenen Erfolgsautors Kai Hensel bittet nun die Bühnenfigur Hanna, charmante Thirtysomething, zu ihrem ganz persönlichen Spiel mit dem Feuer an die Theaterbar.

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Montag, 24. Mai 2010

Zwischen Mitternacht und Morgen: Schwanensee
Ballettabend von Stephan Thoss | Musik von Peter I. Tschaikowsky
Großes Haus | 16 Uhr

Choreografie Stephan Thoss | Musikalische Leitung Lukas Beikircher | Bühne und Kostüme Tina Kitzing

Mit dem Ballett des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden und dem Staatsorchester Darmstadt

Das Ballett der Ballette in der mitreißenden Neufassung von Stephan Thoss, der die leidenschaftliche vieraktige Musik von Tschaikowsky als Grundlage der Handlung nimmt. Die junge Odette verliebt sich in den charismatischen Rotbart. Doch sie erkennt zu spät seine Unfähigkeit, ihre Gefühle zu erwidern; er scheint zur Liebe nicht fähig. Von seiner Kühle tief verletzt, zieht sie sich weit in sich zurück, verwandelt sich symbolisch in ein Wesen, das erneuten Verletzungen durch andere Menschen entzogen ist – einen Schwan. Diese Existenz reiner Unschuld und Unberührbarkeit ist aber Schutz und Fluch zugleich. Denn zwischen Mitternacht und Morgen – auch in Tschaikowskys Vorlage der Zeitraum, in dem Odette die menschliche Gestalt wiedererlangt – nimmt die Tragödie ihren weiteren Verlauf.

Gastspiel des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden

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Montag, 24. Mai 2010

Xavier Durringer
Ganze Tage, ganze Nächte
Eine Produktion des Jugendclubs backstage
Kammerspiele | 20 Uhr

Leitung Martin Meißner

Mit Tjorven Balser, Alexandra Bauer, Franziska Gimbel, Leonie Höckbert, Maryam Koohestanian, Sophia Landzettel, Diandra Laux, Marie Maier, Daniela Scheid, Canzu Yildiz | Valentin Ehrke, Daniel Pabst, Lukas Terhalle, Eric Westphal

Die bruchstückhaften Passagen in Xavier Durringers Stück zeichnen Momente aus unserer alltäglichen Lebenswelt nach. Sie zeigen Menschen, die unserer Lebenswirklichkeit, unserer Gesellschaft und unserer Zeit entsprungen sind und die daran scheitern, aber auch an sich selbst und den anderen. Die Protagonisten verbindet, dass sie von einer Sehnsucht nach etwas anderem getrieben werden – sie sind auf der Flucht, nicht in der Lage echten Kontakt herzustellen, sie leben aneinander vorbei und berühren sich nur kurz und meist schmerzhaft.
In der Version des Jugendclubs von Durringers Stück sind 14 Jugendliche plötzlich zusammen in einem Raum. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, dennoch teilen sie viel: Den Hunger nach Leben und lebendig zu sein. Was wie eine große Party beginnen könnte, kippt immer wieder: Von Liebe zu Hass, von Schmerz zu Euphorie.

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Dienstag, 25. Mai 2010

Ralph Benatzky
Im Weißen Rössl
Singspiel in drei Akten
Großes Haus | 19.30 Uhr

Leitung Christoph Stiller/Wolfgang Wengenroth, Ansgar Weigner, Torsten Gaßner, Matthias Müller, Renate Schmitzer, Christof Hilmer

Mit Annett Arnold, Simone Brähler, Annette Luig, Merit Ostermann, Marie Smolka, Petra Urban | Mark Adler, Zygmunt Apostol, Erik Biegel, Thomas Braun, Sven Ehrke, Jochen Elbert, Klaus Krückemeyer, Giorge Martin, Jürgen Rust,
Wolfgang Vater, Axel Wagner
Zahlkellner Leopold, der im Traditionsgasthof Weißes Rössl am Wolfgangssee auch im größten Trubel stets den Überblick behält, ist verliebt in seine Chefin, die wiederum dem Stammgast Dr. Siedler zugetan zu sein scheint. Bis Leopold und Josepha dennoch ein Paar werden können, sind etliche Eifersuchtsszenen und Missverständnisse auszustehen, und auch die Auseinandersetzung zwischen dem Berliner Fabrikanten Wilhelm Giesecke und seinem Konkurrenten Sigismund Sülzheimer sowie der Besuch des Kaisers halten die Beteiligten gehörig in Atem. Benatzky hat mit seiner Revue-Operette ein Meisterwerk der gutgelaunten, gehobenen Unterhaltung geschaffen. Komik, Nostalgie und Lebensfreude geben sich ein Stelldichein. Melodien wie Die ganze Welt ist himmelblau, Was kann der Sigismund dafür oder nicht zuletzt die schmissige Titelmelodie sind längst zu Evergreens geworden.

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Dienstag, 25. Mai 2010

Hörbar
Tilman Meyn liest Stefan Zweig
Kammerspiele | 17 Uhr

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Dienstag, 25. Mai 2010

Kai Hensel
Klamms Krieg
Sitzungszimmer | 20 Uhr (ausverkauft)

Inszenierung Martin Ratzinger

Mit Uwe Zerwer

Herr Klamm – ein unauffälliger Lehrer eigentlich. Aber beileibe kein gewöhnlicher. Von seiner Klasse wird er für den Selbstmord eines Mitschülers verantwortlich gemacht. Wie soll man mit dem offen zur Schau gestellten Hass umgehen? Gleiches mit Gleichem vergelten? Die Schule ein Dienstleistungs-Center für gute Noten? Da ist man bedient!
Was ist das eigentlich für ein Lehrer, der heimlich über Jahre hinweg zu jeder Person in der Schule eine Akte anlegt, akribisch Vorkommnisse und Entwicklungen dokumentiert? Kontrollzwang, krampfhaftes Chronistentum, Vatergefühle gar? Er muss versuchen, sich zu erklären. Dabei kommen viele Wahrheiten ans Licht, auch solche, die man gar nicht hören möchte. Klamm geht auf Konfrontationskurs und setzt dabei alles aufs Spiel.
Fesselndes Psychogramm eines zerrissenen Menschen zwischen Verantwortung und Verteidigung, zwischen Vernunft und Paranoia, zwischen Rache und Resignation.

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Mittwoch, 26. Mai 2010

Gaetano Donizetti
Maria Stuarda
Oper in zwei Akten von Gaetano Donizetti | in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Großes Haus | 19.30 Uhr

Musikalische Leitung Martin Lukas Meister | Inszenierung Alfonso Romero Mora | Bühne Dirk Hofacker | Kostüme Gabriela Salaverri | Choreinstudierung André Weiss

Mit Katrin Gerstenberger, Margaret Rose Koenn, Adréana Kraschewski, Stephanie Theiß | John In Eichen, Oleksandr Prytolyuk

Elisabeth I., Königin von England, und Maria Stuart, Königin von Schottland, sind Rivalinnen, nicht nur um den Thron, sondern auch in der Liebe. Beide lieben den Grafen Leicester. Elisabeth hält ihre Kontrahentin Maria schon seit Jahren gefangen, kann sich jedoch nicht zu einer endgültigen Entscheidung über ihr Schicksal durchringen. Durch Vermittlung Leicesters kommt es zu einer direkten Begegnung der beiden Rivalinnen, die in eine offene Konfrontation ausartet: Elisabeth bezichtigt Maria des Ehebruchs und des Verrats, Maria nennt Elisabeth einen Bastard.
Maria Stuarda (1834) gehört ebenso wie Anna Bolena (1830) und Roberto Devereux (1837) zur Königinnen-Trilogie Donizettis. Schillers Trauerspiel Maria Stuart bildete die Vorlage. Donizetti geht es in seiner Fassung jedoch weniger um die Staatsintrige. Er konzentriert sich vielmehr auf die beiden außergewöhnlichen Charaktere. Mit der eskalierenden Begegnung und Konfrontation der beiden Königinnen gelingt Donizetti dabei eine der eindrucksvollsten musikalischen Szenen seines Schaffens.

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Mittwoch, 26. Mai 2010

Gotthold Ephraim Lessing
Nathan der Weise
Kleines Haus | 19.30 Uhr (ausverkauft)

Inszenierung Patricia Benecke | Bühne und Kostüme Gesine Kuhn

Mit Anne Hoffmann, Iris Melamed, Margit Schulte-Tigges | Heinz Kloss, Andreas Manz, Stefan Schuster, Tom Wild, Aart Veder, Klaus Ziemann

Brennpunkt Jerusalem. Die heilige Stadt der Juden, Christen und Muslime hat bis heute mehr als 40 Kriege erlebt, ist mindestens 17 Mal zerstört worden und wechselte ein gutes Dutzend Mal die offizielle Glaubensrichtung.
Man schreibt das Jahr 1192. Der dritte Kreuzzug ist zu Ende, es herrscht Waffenstillstand zwischen den drei Religionsgemeinschaften. Doch wie 2009 ist auch dieser Friede nur ein vorläufiger, ein fragiler. Schon kündigt sich neues Ungemach an: Sultan Saladin braucht Geld für einen weiteren Krieg gegen die Christen. Er denkt dabei an die finanzielle Unterstützung durch den reichen jüdischen Geschäftsmann Nathan. Doch dieser setzt den Machtinteressen eine Parabel von drei Ringen entgegen, welche einander ebenso gleichen wie die drei großen Religionen. „Es eifre jeder seiner unbestochnen, von Vorurteilen freien Liebe nach!“, so Nathans weise Forderung. Wie sinnig diese Lehre ist, bewahrheitet sich im Verlauf des Stückes, als erstaunliche Verwandtschaftsbeziehungen zu Tage treten…
Von den Nationalsozialisten verboten, avancierte der Nathan nach 1945 zum „Wiedergutmachungsstück“ (so Literaturwissenschaftler Helmut Göbel). Und noch deutlicher als zuvor tut sich seitdem das Spannungsfeld zwischen der Utopie eines menschlichen Miteinanders und der realen geschichtlichen Erfahrung auf. Dessen Grenzen auslotend, erforscht Darmstadt-Debütantin Patricia Benecke mit dem Ensemble die Möglichkeit von Humanität, Toleranz und Versöhnung.
Nathan der Weise ist Lessings letztes Bühnenstück. Er stirbt 1781, zwei Jahre vor der zurückhaltend aufgenommenen Mannheimer Uraufführung. Als Alterswerk ist es die Quintessenz seines liberalen, philanthropen Denkens, das vor allem durch Moses Mendelssohn, jüdischer Philosoph und lebenslanger Freund Lessings, beeinflusst war. Ihm setzte er auch mit der Figur des Nathan ein ewiges Denkmal. Eine jahrelange Auseinandersetzung mit dem dogmatischen Hamburger Theologen und Pastor Johann Goeze kostete Lessing schließlich seine Zensurfreiheit. Doch Lessings Botschaft bleibt im Nathan lebendig, wie er in einem Brief an seinen Bruder ankündigt: „Es wird nichts weiter, als ein satirisches Stück, um den Kampfplatz mit Hohngelächter zu verlassen.“

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Mittwoch, 26. Mai 2010

Theaterführung
18 Uhr | Treffpunkt Künstlereingang Hügelstraße
Reservierung erforderlich, Teilnehmerzahl begrenzt

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Donnerstag, 27. Mai 2010

Arthur Miller
Alle meine Söhne
Drama
Kleines Haus | 19.30 Uhr

Inszenierung Martin Ratzinger | Bühne und Kostüme Anna-Sophia Blersch

Mit Gabriele Drechsel, Christina Kühnreich, Iris Melamed, Margit Schulte-Tigges | Hans Matthias Fuchs, Heinz Kloss, Stefan Schuster, Tom Wild, Klaus Ziemann

All my Sons brachte Arthur Miller (1919-2005) 1947 seinen Durchbruch als Dramatiker. Seine späteren Stücke, allen voran Tod eines Handlungsreisenden, wurden zu Welterfolgen.
Jeder ist sich selbst der nächste – erst recht in Geldfragen. Fabrikbesitzer Joe Keller denkt dabei auch an seine Söhne, für die er sich einst hocharbeitete – um jeden Preis: Für den Traum von der eigenen Firma hatte er während des Krieges defektes Material an die Luftwaffe geliefert und danach die Schuld auf seinen Geschäftspartner abgewälzt. Während dieser nun im Gefängnis sitzt, hat Keller sich mit seiner Familie ein komfortables Leben eingerichtet – nur die Tatsache, dass Sohn Larry bisher noch nicht aus dem Krieg heimgekehrt ist, trübt die bürgerliche Idylle. Doch als sich Sohn Chris in Ann, – Tochter des inhaftierten Sündenbocks – verliebt, beginnt die Vergangenheit Keller einzuholen. Der unausweichliche Konflikt zwischen Schuld, Verantwortung, Geld und Moral bricht los und demontiert gnadenlos den American Dream…

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Donnerstag, 27. Mai 2010

Lutz Hübner
Gretchen 89 ff.
Theaterkabarett
Kammerspiele | 20 Uhr (ausverkauft)

Mit Anne Hoffmann | Tino Lindenberg, Harald Schneider, Uwe Zerwer

Das Making Of von Faust! Die beispielhafte Versuchsanordnung hierzu: Faust I, die Kästchenszene, Seite 89 folgende. Gretchen (aufgelöst): „Es ist so schwül, so dumpfig hie …“ – ein Klassiker! Aber wie soll man ihn bloß inszenieren? Zwischen Aschenbechern, Augentropfen, Kaffeetassen und der Holzdose „Dannemann Import Kuba“ entspinnt Lutz Hübner seine Betrachtungen über die unseligen und vor allem unzähligen Kombinationen von Regie und Schauspiel. Treffen Sie selbstverliebte Regisseure, narzisstische Diven, blutige AnfängerInnen und entnervte Spielleiter!
Daneben entschlüsselt sich ein subtiles System von Hierarchien, das zeigt: Auch im vermeintlich lockeren Theaterbetrieb regiert das Prinzip Macht. Schon Goethe wusste über die Theatermenschen zu sagen: „Es scheint, als wenn sie nichts so sehr zu erhalten suchten als das Majestätsrecht ihrer persönlichen Willkür.“
Die amüsante und facettenreiche Satire des meistgespielten deutschen Gegenwartsdramatikers auf den Theaterbetrieb für alle, die schon immer einmal wissen wollten, was Schauspieler eigentlich vormittags machen und mit welchen Aussagen man den Regisseur garantiert zur Weißglut bringt.

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Freitag, 28. Mai 2010

Zwischen Mitternacht und Morgen: Schwanensee
Ballettabend von Stephan Thoss | Musik von Peter I. Tschaikowsky
Großes Haus | 19.30 Uhr

Choreografie Stephan Thoss | Musikalische Leitung Lukas Beikircher | Bühne und Kostüme Tina Kitzing

Mit dem Ballett des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden und dem Staatsorchester Darmstadt

Das Ballett der Ballette in der mitreißenden Neufassung von Stephan Thoss, der die leidenschaftliche vieraktige Musik von Tschaikowsky als Grundlage der Handlung nimmt. Die junge Odette verliebt sich in den charismatischen Rotbart. Doch sie erkennt zu spät seine Unfähigkeit, ihre Gefühle zu erwidern; er scheint zur Liebe nicht fähig. Von seiner Kühle tief verletzt, zieht sie sich weit in sich zurück, verwandelt sich symbolisch in ein Wesen, das erneuten Verletzungen durch andere Menschen entzogen ist – einen Schwan. Diese Existenz reiner Unschuld und Unberührbarkeit ist aber Schutz und Fluch zugleich. Denn zwischen Mitternacht und Morgen – auch in Tschaikowskys Vorlage der Zeitraum, in dem Odette die menschliche Gestalt wiedererlangt – nimmt die Tragödie ihren weiteren Verlauf.

Gastspiel des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden

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Freitag, 28. Mai 2010

Ein Engel Leonore
Ballett von Jochen Ulrich | Nach der Oper Fidelio von Ludwig van Beethoven |
In der Fassung für Klavier zu vier Händen von Alexander Zemlinsky
Kleines Haus | 19.30 Uhr (wenige Restkarten)

Inszenierung und Choreografie Jochen Ulrich | Bühne Alexandra Pitz | Kostüme Bjanka Ursulov

Mit Joachim Enders, Bernhard Kießig und dem Ensemble des Tanztheaters Darmstadt

Leonore, verkleidet als Gefängniswärter Fidelio, bewahrt ihren zu Unrecht inhaftierten Gatten Florestan vor dem Tod in einem Staatsgefängnis, indem sie für ihn ihr Leben aufs Spiel setzt. Die Geschichte endet mit einer humanistischen Vision der Befreiung der Menschheit vor aller Ungerechtigkeit auf Erden.
In Anlehnung an Beethovens Befreiungsoper Fidelio zeigt Choreograf Jochen Ulrich in seinem Ballett Ein Engel Leonore die Wirkungsmächtigkeit einer Frau als rettender Engel und erzählt von der unerschöpflichen Sehnsucht nach Freiheit und Glück, die angesichts politischer Willkür und Unterdrückung noch verstärkt wird. Joachim Enders und Bernhard Kießig spielen dazu vierhändig die Klavierfassung der beethovschen Opernpartitur von Alexander Zemlinsky.

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Freitag, 28. Mai 2010

George Tabori
Mein Kampf
Farce
Kammerspiele | 20 Uhr

Inszenierung Martin Ratzinger | Bühne und Kostüme Anna-Sophia Blersch

Mit Gabriele Drechsel, Diana Wolf | Harald Schneider,Tom Wild, Uwe Zerwer, Klaus Ziemann

In Frau Merschmeyers Männerheim in Wien kommt um 1910 ein von der Kunstakademie abgewiesener, unscheinbarer Jüngling aus Braunau am Inn an: Adolf Hitler. Hier trifft er auf die beiden liebenswert skurrilen Juden Herzl und Lobkowitz. Der Bibelverkäufer Herzl möchte seine Memoiren schreiben: Mein Leben. Schlechter Titel, findet Freund Lobkowitz und schlägt Mein Kampf vor. Der arbeitslose Koch hält sich für Gott und vollbringt tatsächlich eine sehr besondere Schöpfung: Gemeinsam werden sie zu Hitlers Ziehvätern und nehmen sich liebevoll schützend seiner an. Von seinem Welt- und Menschenbild, über den Rat in die Politik zu gehen bis zum später berühmten Hitler-Bärtchen: Alles, was den perspektivlosen Provinzler zu einer der bekanntesten und monströsesten Gestalten des 20. Jahrhunderts machen wird, verdankt er zwei Juden – jedenfalls in der Version von George Tabori.
Mit höchst jüdischem, bisweilen bitterbösen Humor löst Tabori klare Feindbilder auf und stellt spielerisch Stereotypen in Frage.

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Samstag, 29. Mai 2010

Richard Strauss
Der Rosenkavalier
Komödie für Musik
Großes Haus | 19 Uhr

Musikalische Leitung Constantin Trinks | Inszenierung Peter Lund | Bühne und Kostüme Claudia Doderer |
Choreinstudierung André Weiss

Mit Aki Hashimoto, Elisabeth Hornung, Margaret Rose Koenn, Yamina Maamar, Carine Séchaye, Susanne Serfling | Markus Durst, Sven Ehrke, John In Eichen, Lucian Krasznec, Werner Volker Meyer, Albert Pesendorfer

Dies ist ein heiteres und zugleich schwermütiges Stück Abschied: Abschied vorausahnend von einer ganzen Epoche – der nachfolgende 1. Weltkrieg zerstörte sie; Abschied von Wien, wie es der Dichter Hofmannsthal erfunden und zugleich beglaubigt hat, und worüber er Strauss schrieb: „Hier ist das theresianische Wien – eine wirkliche, darum glaubhafte ganze Stadtwelt mit hundert lebendigen Bezügen in sich: vom Faninal zum Ochs, vom Polizeikommissar und Wirt hinauf zur großen Dame, vom Palast durch die Lakaienwelt zum Bauernhof usw.“; Abschied der Feldmarschallin Fürstin Werdenberg von ihrem Geliebten Octavian, dem Grafen Rofrano; Abschied auch des jungen Grafen vom sorglosen Müßiggang. Dazwischen poltert der Vetter vom Land, Ochs von Lerchenau, girrt die Intrigantin Annina, improvisieren die Komödianten im Wirtshaus ihre satirischen Pointen, trippelt der kleine Mohr und tönt und perlt der Walzer, der jedem nachhängt, der ihn je gehört hat. Einmal erschrickt die Marschallin: Kehrt der Feldmarschall heim aus dem Krieg? Ihr ist, als höre sie den Gewalt habenden Fürsten der Schatten am Tor. Sie weiß: Die Zeit ist unaufhaltsam. Und doch geht sie manchmal durch die Räume des Palais und lässt die Uhren alle stehn. Am Ende bleibt das Publikum mit dem jungen Paar Sophie und Octavian allein: Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein … Aber den Traum müssen bei Tag alle überführen in die Wirklichkeit eines neuen Anfangs.

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Samstag, 29. Mai 2010

Zum letzten Mal
Johann Wolfgang von Goethe
Faust
Der Tragödie Erster Teil
Kleines Haus | 19.30 Uhr (Restkarten)

Inszenierung Hermann Schein | Bühne und Kostüme Stefan Heyne | Musik Michael Erhard
Mit Gabriele Drechsel, Liljana Elges, Anne Hoffmann, Karin Klein | Tilman Meyn, Harald Schneider, Aart Veder, Uwe Zerwer, Klaus Ziemann

Wissenschaft und Eros: Die Verknüpfung beider Themen ist das Spezifische an der Goethe’schen Faustversion, einem Stoff aus dem 16. Jahrhundert. Faust – Der Tragödie Erster Teil zeigt einen Gelehrten in der Krise. Er greift nach allem was Wissen-schafft, doch seine Gier bleibt unbefriedigt. Der Teufel selbst verspricht schließlich, es werde ein „Verweilen“ geben, ein Ankommen und Sinn. Faust findet es in Gretchen – doch der Pakt mit Mephisto fordert seinen Tribut…
Goethes Faust wurde zum Klassiker, weil ihm damit ein Entwurf menschlichen Daseins gelang: Der Mensch im Hamsterrad seines Wollens und Strebens. Zeitlebens arbeitet er sich ab am Gegensatz von hehrer Ratio und triebhafter Schuld.

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Samstag, 29. Mai 2010

David Spencer
Raum (Space)
Schauspiel | Deutsche Erstaufführung
Kammerspiele | 20 Uhr

Inszenierung Martin Ratinger | Bühne und Kostüme Anna-Sophia Blersch

Mit Margit Schulte-Tigges, Diana Wolf | Stefan Schuster

Space, Raum, das ist nicht nur der Weltraum mit den weit entfernten Galaxien und den unzähligen Sternen, zu denen man sich hinträumen kann und von denen Dean dem kleinen Kenny jeden Abend vorm Einschlafen erzählt. Damit ist auch die beengte Wohnung gemeint, in der Kenny mit seiner Mutter Pam und jetzt eben auch Dean wohnt.
Raum (Space) ist eine Geschichte um die Frage, wie viel Platz man um sich herum braucht, für die eigenen Pläne und Träume, und wie viel man davon teilen kann. Dean und Pam meistern ihr Leben zwischen Erwachsen-Werden und familiärer Verantwortung. David Spencer legt auf anrührende Art den Fokus auf die Psychologie der Figuren und beschreibt meisterhaft den täglichen Kampf zwischen deren Ängsten und Sehnsüchten.

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Samstag, 29. Mai 2010

Läd naid sürpries
Nächtliches Überraschungsprogramm mit anschließender Party
Bar der Kammerspiele | 23 Uhr

Sonntag, 30. Mai 2010

Premiere
Benjamin Britten
Noah und die Flut
Kinderoper
Stadtkirche Darmstadt | 18 Uhr

Musikalische Leitung Bartholomew Berzonsky | Inszenierung Bettina Geyer | Bühne Corina Krisztian-Klenk | Kostüme Ricarda Marose | Choreinstudierung Christian Roß

Mit Franca Blauert, Karoline Brechtelsbauer, Charlotte Ewen, Noëmi Gmahl, Fiona Hoening, Niina Keitel, Sophie Köhler, Fabiana Locke, Tabea Renz, Marieke Wydra | Yannic Blauert, Andreas Daum, Malte Godglück,
Florian Opitz, Erik Pauls, Mathis Vondung

Die biblische Geschichte von Noah und der Sintflut ist bekannt: Gottes Stimme verkündet Noah, dass er beschlossen habe, die sündige Menschheit und alles, was lebt, zu zerstören. Nur Noah und seine Familie werden gerettet werden. Daher sollen sie ein Schiff bauen, eine Arche, auf der sie die große Flut überleben können. Getreu den Anweisungen Gottes sammelt Noah von jeder Tierart ein Paar, und alle betreten die Arche.
Noah und die Flut ist Kinder- und Kirchenoper zugleich. Deshalb bringen die Stadtkirche und das Staatstheater die Oper gemeinsam auf die „Kirchenbühne“. Und da die Aufführung vom Komponisten speziell für die Mitwirkung von Kindern konzipiert ist, werden neben erfahrenen Opernsängern vor allem viele Kinder auf der Bühne stehen und Mitglieder des Staatsorchesters mit Schülern aus dem Musikschulorchester der Akademie für Tonkunst, unserem Patenorchester, gemeinsam musizieren.

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Sonntag, 30. Mai 2010

Gotthold Ephraim Lessing
Nathan der Weise
Kleines Haus | 18 Uhr (ausverkauft)

Inszenierung Patricia Benecke | Bühne und Kostüme Gesine Kuhn

Mit Anne Hoffmann, Iris Melamed, Margit Schulte-Tigges | Heinz Kloss, Andreas Manz, Stefan Schuster, Tom Wild, Aart Veder, Klaus Ziemann

Brennpunkt Jerusalem. Die heilige Stadt der Juden, Christen und Muslime hat bis heute mehr als 40 Kriege erlebt, ist mindestens 17 Mal zerstört worden und wechselte ein gutes Dutzend Mal die offizielle Glaubensrichtung.
Man schreibt das Jahr 1192. Der dritte Kreuzzug ist zu Ende, es herrscht Waffenstillstand zwischen den drei Religionsgemeinschaften. Doch wie 2009 ist auch dieser Friede nur ein vorläufiger, ein fragiler. Schon kündigt sich neues Ungemach an: Sultan Saladin braucht Geld für einen weiteren Krieg gegen die Christen. Er denkt dabei an die finanzielle Unterstützung durch den reichen jüdischen Geschäftsmann Nathan. Doch dieser setzt den Machtinteressen eine Parabel von drei Ringen entgegen, welche einander ebenso gleichen wie die drei großen Religionen. „Es eifre jeder seiner unbestochnen, von Vorurteilen freien Liebe nach!“, so Nathans weise Forderung. Wie sinnig diese Lehre ist, bewahrheitet sich im Verlauf des Stückes, als erstaunliche Verwandtschaftsbeziehungen zu Tage treten…
Von den Nationalsozialisten verboten, avancierte der Nathan nach 1945 zum „Wiedergutmachungsstück“ (so Literaturwissenschaftler Helmut Göbel). Und noch deutlicher als zuvor tut sich seitdem das Spannungsfeld zwischen der Utopie eines menschlichen Miteinanders und der realen geschichtlichen Erfahrung auf. Dessen Grenzen auslotend, erforscht Darmstadt-Debütantin Patricia Benecke mit dem Ensemble die Möglichkeit von Humanität, Toleranz und Versöhnung.
Nathan der Weise ist Lessings letztes Bühnenstück. Er stirbt 1781, zwei Jahre vor der zurückhaltend aufgenommenen Mannheimer Uraufführung. Als Alterswerk ist es die Quintessenz seines liberalen, philanthropen Denkens, das vor allem durch Moses Mendelssohn, jüdischer Philosoph und lebenslanger Freund Lessings, beeinflusst war. Ihm setzte er auch mit der Figur des Nathan ein ewiges Denkmal. Eine jahrelange Auseinandersetzung mit dem dogmatischen Hamburger Theologen und Pastor Johann Goeze kostete Lessing schließlich seine Zensurfreiheit. Doch Lessings Botschaft bleibt im Nathan lebendig, wie er in einem Brief an seinen Bruder ankündigt: „Es wird nichts weiter, als ein satirisches Stück, um den Kampfplatz mit Hohngelächter zu verlassen.“

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Sonntag, 30. Mai 2010

Peter Schanz
Anna sagt was!
Theatermonolog
Bar der Kammerspiele | 20 Uhr (ausverkauft)

Leitung Boris C. Motzki

Mit Sonja Mustoff

Diese indiskreten Geständnisse einer Souffleuse, die den vielsagenden Untertitel Eine Brandrede aus dem Theater tragen, wurden erstmals 2007 am Staatstheater Braunschweig uraufgeführt.
Anna sagt was, denn die Protagonistin dieses Stücks ist Souffleuse an einem Theater – es ist ihr Beruf was zu sagen oder eben zu schweigen. Aber recht machen kann sie es keinem wirklich, vielleicht noch nicht einmal sich selbst… Aber ihren Beruf liebt Anna und sie möchte auch nicht mit „denen da oben“ tauschen, auch wenn sie früher einmal zu ihnen gezählt hat.
Anna zieht den Zuschauer immer wieder ins Vertrauen, berichtet aus dem Theaterleben und lässt ihn teilhaben an ihrem Leben im und mit dem Theater.

QUELLE & weitere INFOS : www.staatstheater-darmstadt.de

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